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Jesus "malt" viele Bilder von Gott. Das Bild vom barmherzigen Vater und vom verlorenen Sohn bewegt jeden. Nie hat Jesus die Zärtlichkeit und Liebe Gottes wunderbarer gezeichnet als in dem Bild, das Augustinus "das Evangelium im Evangelium" nennt. Der Verlorene bringt im Bild nichts mit als eine leere Schnapsflasche, ein zerschlissenes Gewand und - Hoffnung auf Vergebung. Sie wird ihm geschenkt, indem der Vater ihn umarmt und im Kuß seiner Liebe den Verlorenen heimkommen läßt. Kein Vorwurf, keine Anklage, kein Wort, nur Verzeihung, Schalom, Liebe. Der Verlorene findet, was er wohl immer schon gesucht hat: ein Herz. Dieses Geschenk läßt er nicht mehr los. Denn jetzt weiß er, was Liebe ist: Barmherzigkeit ohne Grenzen.
Der ältere Bruder wird oft übersehen, vielleicht, weil er uns ähnlich ist. Wie sein Gesicht und seine Hände zeigen, ringt er um die Entscheidung: Soll er verurteilen oder verzeihen? Soll er auf Gerechtigkeit pochen oder sich vom Vater anstecken lassen? Ist solches Erbarmen nicht gefährlich? Er war gehorsam, gesetzestreu, fromm. Wird hier nicht Ungehorsam belohnt? Die Hälfte seines Gesichts ist im Licht, die andere Hälfte im Schatten, sein Schatten an der Wand. Vergibt er seinem Bruder nicht, geht er in diesem Schatten unter, wird selbst zum verlorenen Sohn. Gleichnis und Bild lassen alles offen. Die Einladung Jesu aber ist eindeutig: Wenn Gott so großzügig und gut ist, sollten auch wir großzügig, gut sein. Und sind wir nicht alle auf Gottes Erbarmen angewiesen?
Jesus, über dein Bild von Gott kann ich nur staunen, mich unsagbar freuen. Begreifen kann ich es nicht. Du sagst: Großzügig ist Gott; er läßt dir Freiheit. Barmherzig ist Gott; er verzeiht dir alles. Du mußt nur eines tun: an seine Liebe glauben, dich von ihm lieben lassen und seine Liebe weitergeben. Die Zärtlichkeit Gottes kennt dann keine Grenzen. Dein Gottes-Bild, Jesus, macht Mut.