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In einer Zeit schwerer seelischer Belastung bat Vincent van Gogh seinen Bruder Theo um Reproduktionen von anderen Künstlern als Vorlage für seine persönlichen Bilder. Er wünschte sich besonders biblische Motive, in denen er sich selbst wiederfinden konnte. So in der großen Radierung von Rembrandt: "Die Auferweckung des Lazarus". Vincent fühlte sich am Ende, wie tot, und gab deshalb dem Antlitz seines Lazarus die eigenen Gesichtszüge, sogar den roten Bart. Er las damit die Bibel richtig; denn ich bin dort gemeint, ich soll im Bilde sein. Der tote, zum Leben erweckte Lazarus bin ich! Mich will Jesus aus meiner Grabhöhle herausholen.
Von Jesus berührt, ergriffen, lebendig gemacht schrieb Vincent an seinen Freund Emile Bernard: "Christus ein Künstler, größer als alle Künstler. Dieser unerhörte Künstler hat weder Statuen noch Gemälde noch Bücher gemacht. Er hat lebendige Menschen geschaffen, Unsterbliche! Er hat gesagt: ›Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.‹ Solche Worte führen uns weit, sehr weit. Sie heben uns sogar weit über die Kunst empor." Er malt Jesus nicht wie Rembrandt als Riesen, sondern als strahlende, wärmende Sonne. Diese Sonne dringt auch in tödliche Schluchten und führt jeden, der glaubt, ins ewige Licht. Marta und Maria können nur staunen und danken.
Jesus, du sagst zu Marta: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Glaubst du das?" Ich möchte mit Marta antworten: "Ja, Herr, ich glaube dir", du ewige Sonne. Du dringst in die tiefste seelische Schlucht. Du allein belebst und verwandelst alles. Belebe und verwandle auch mich.
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