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Am Berg Horeb mußte Elija erkennen: Gott ist kein "Wetter-Gott". Er zeigt seine Macht nicht im Sturm. Er droht nicht mit Erdbeben. Er straft nicht mit Feuerbränden. Das Bild zeigt diese Naturgewalten, und wir erschrecken darüber. Die Sprache Gottes aber ist anders. Als Elija aufhörte zu reden, als er endlich anfing zu schweigen, hörte er plötzlich eine Stimme, die er noch nie im Leben gehört: die Stimme einer leisen Stille, "einer vorüberschwebenden Stille". Sieger Köder malt sie in den lautlos vorbeifliegenden Blättern im Wind. Die Stimme der Stille, selten gehört, weil sie vom Lärm unserer Stimmen übertönt und erstickt wird. Die Bibel berichtet (1 Kön 19,11): "Da zog der Herr vorüber" - im Schweigen, in der hörbaren Stille.
Als Elija sie hörte, die Stimme einer vorüberschwebenden Stille, hörte er plötzlich in dieser Stille eine Stimme, die ihm zurief: "Elija!" Der Prophet darf erfahren: Gott ruft mich bei meinem Namen. Gott kennt mich, Gott liebt mich. Das gibt meinem Leben Sinn. Das macht stark in der Angst. Das überwindet sogar den Tod. Als Elija die Stimme der Stille hört, hört er tief bewegt - Gott. Und der stellt eine Frage an ihn: "Elija, was willst du hier?" Was willst du eigentlich? Eine Frage, sicher nicht leicht zu beantworten. Eine Frage, der auch ich mich stellen muß heute und immer wieder neu. Gott wartet - in der Stille. Was werde ich ihm antworten?
Der heilige Benedikt schreibt: "Reden und Lehren kommt dem Meister zu. Schweigen und Hören ist Sache des Jüngers." Gott, schenk mir den Mut zur Stille; denn in der Stimme der Stille verbirgt sich deine Stimme. Laß mich schweigen vor dir, dem schweigenden Gott. Dann werde ich hören, mit dem Herzen hören, was du mir sagen möchtest. Sprich, Herr - ich höre.