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Sieger Köder malt nur selten das Antlitz Jesu. Und doch hat jedes Christus-Bild bei ihm ein "Gesicht", hier: das "Gesicht der Angst", der Todesangst. Hingeworfen auf einen Felsen zittert Jesus um sein Leben: "Abba, Vater, du! Laß diesen Kelch vorübergehen!" Er, der so oft seine Jünger fragt: "Warum habt ihr Angst?", fängt plötzlich an, selbst Angst zu haben. Seine Jünger schauen weg. Sie lassen ihren Freund allein. Nur der Mond ist bei ihm wie ein Engel in der Nacht. Der Ostermond schenkt ihm Licht, das auf seine ringenden Hände fällt. Und er kann beten: "Vater, nicht mein Wille geschehe, sondern der deine."
Wir brauchen Bilder, die unsere Angst ausdrücken. Wir brauchen Bilder, die uns in der Angst aufrichten. Der Christus der Angst macht Mut. Keiner von uns muß christlicher sein als Christus. Ich darf meine Angst zugeben. Ich muß mich nicht schämen. Auch in meiner Angst leuchtet der Ostermond. Gott läßt keinen allein. Wer wenigstens in seiner Not noch "Du" sagen kann zu Gott, auch wenn er dabei stöhnt und weint, der ist bei Gott und Gott ist bei ihm. Auf dem Berg der Ölbäume liegt der menschliche Gottessohn. Unter Tränen und Schmerzen ringt er sich durch zu einem "Ja". Nichts - wird deswegen leichter. Aber alles - am Ende sinnvoll.
Jesus, auch du hattest Angst. Am Ölberg überfällt dich Todesangst. Aber im Gebet zu deinem Vater findest du Vertrauen und Kraft. Du bittest zwar inständig: "Laß den Kelch vorübergehen. Verschone mich vor schwerem Leid." Doch du ringst dich durch zum schwersten aller Gebete: "Vater, nicht mein Wille geschehe, sondern der deine." Menschlicher Jesus der Angst, lehre mich beten, wie du gebetet hast.