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Ungezählte Menschen beten zu allen Zeiten vor dem Bild der Pietà, der "Schmerzhaften Mutter Gottes", und finden dort immer wieder Ruhe und Kraft. Denn in diesem Bild des unbeschreiblichen Leids fühlen sie sich verstanden und angenommen im eigenen Leid. Das Bild strahlt Frieden aus. Nicht nur das auffallende Grün im Mantel der trauernden Maria weckt Hoffnung, sondern auch die Zuwendung zu ihrem Sohn. "Mystische Darstellungen" nennt man Pietà-Bilder dieser Art. Maria umarmt ihren Sohn wie die Mutter das Kind, das zurückkehrt an ihr Herz. Ihr Jesus ist ja nicht tot. Sie weiß, daß er lebt.
Aus einem Felsspalt kommen, stellvertretend für alle Toten, als erste Adam und Eva zum Leben. Denn der Tod Jesu am Kreuz hat den Tod getötet für immer. Die Taube auf der Schulter Marias breitet liebevoll ihre Flügel über das Leid der Mutter. In ihrem Schnabel den Ölzweig - Erinnerung an das Ende der Großen Flut, die über Jesus und Maria am Karfreitag hereinbrach. Der Maler denkt dabei auch an den Schluß der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach: "Am Abend kam die Taube wieder und trug den Ölzweig in dem Munde … Der Friedensschluß ist nun mit Gott gemacht; denn Jesus hat sein Kreuz vollbracht." Das Bild des Karfreitag geht leise über in ein Bild von Ostern.
Gott der Lebendigen, die Last des Karfreitag kommt über jeden: der endgültige Abschied, das Gefühl der Verlassenheit, die Ohnmacht des Schweigens. Maria und Jesus, vereint unter dem Kreuz, machen uns Mut: Unsere Toten - sie leben. Die Große Flut weicht dem Frieden. Nichts geht verloren, was in Liebe bewahrt wird. In dir, Gott, bleibt alles.